Mit der Drohne Fliegen und Fotografieren unter Extrembedingungen in Norwegen.

Irgendwo in der Wildnis nahe dem Forollhogna National Park, Norwegen
Der Winter bringt eine Vielzahl von neuen Bedingungen mit sich, die Auswirkungen auf den Drohnenflug und die Fotografie haben können. Auf der anderen Seite bringt die Winterland-schaft eine Menge von einzigartigen Perspek-tiven mit sich und taucht die Umgebung in ein magisches Licht. Ich habe es Ende Dezember in Norwegen unter wirklich extremen Bedingungen testen können. 

Die allgemeinen Aussagen zu Drohnenflug und Fotografie wie: Nicht bei Regen, Nebel, starkem Wind, geomagnetischen Stürmen oder unter dem Gefrierpunkt, nicht in der Dunkelheit fliegen; gelten zwar, sind aber zum Beispiel im harten Winter von Norwegen kaum zu berücksichtigen, da es eben ständig kalt, oft feucht, windig und dunkel mit langer Dämmerungsphase ist. Als Anfänger in der Welt der Drohnenfotografie (und Videografie), der im Dezember in Norwegen unterwegs war, musste ich mich über all diese Konventionen hinwegsetzen, denn ansonsten hätte ich die DJI MAVIC Pro gar nicht auspacken brauchen. 

Aber die Ergebnisse bei unter -20 Grad und
sehr tiefhängenden Wolken sind atemberaubend geworden und entschädigen für alle Strapazen. 



Eine geschlossene Schneedecke, vom Sturm aufgetürmte Verwehungen oder eingezuckerte Wälder
sehen aus der Vogelperspektive magisch, ja fast unwirklich aus. Und trotz der widrigen Umstände lässt es sich durch eine gute Vorbereitung und Planung hervorragend fliegen, filmen und fotografieren. Dies soll und kann keine allumfassende Anleitung zum Winterfliegen sein, sondern nur einige grundlegende Hilfestellungen aus eigener Erfahrung geben, die sicher nicht vollständig ist. Zudem muss man wissen, das sich meine Erfahrungen und Beschreibungen nur auf die DJI Macic Pro beziehen, die ich nutze. 

Hardangervidda bei Sonnenaufgang
Kälte und Akkus
Der wichtigste Aspekt des Fliegens im Winter ist die Kälte. In Norwegen kommt neben der Kälte noch der meist beißende Wind im Winter hinzu. All die sonst überall beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen betreffen ja nicht nur die Drohne sondern jede Kamera, die nicht mit einem Holzvergaser sondern mit Batterien betrieben wird. Es sind also allgemein gültige Regeln. 

Was ist also anders?
Auf der einen Seite ist kalte Luft dichter und erzeugt somit mehr Auftrieb. Damit wird die Drohne etwas wendiger und verbraucht weniger Energie. Soweit die Theorie die DJI beschreibt. Bemerken konnte ich es nicht. Gleichzeitig reduziert die Kälte aber sehr drastisch die Batteriekapazität und reduziert somit die Flugzeit. 

Krakenes Lighthouse in der Abenddämmerung
Unter den extremsten Bedingungen bin ich in Norwegen bei -26 Grad geflogen. Und da ich (und meine Drohne ebenfalls) im Auto übernachte, ist die Gefahr, das die Drohne am Morgen komplett durchgekühlt ist recht hoch, denn auch im Auto waren es teils nur noch -8 bis -10 Grad in der Nacht. Daher transportiere ich die Drohne samt Zubehör und Akkus in einem dick gepolsterten Werkzeug-Alukoffer, der tagsüber im Auto geöffnet ist um zu erwärmen und in der Nacht verschlossen wird um nicht völlig auszukühlen. 
Vor der Nutzung lade ich alle Akkus noch einmal kurz vollständig auf, wodurch sie sich ebenfalls noch etwas erwärmen. Und bevor sie final in die Mavic gesteckt werden, wandern sie noch kurz in die Hemdtasche unter meiner Jacke. Auf Lipowärmer und sonstigen Firlefanz habe ich verzichtet. 




Aber trotz dieser Vorbereitung hatte sich bei unter -20 Grad und Wind, der durch den Chill Faktor die Temperatur noch einmal drastisch senkt, die Flugzeit der MAVIC auf 10-15 Minuten reduziert. Was gerade im Winter nicht zu unterschätzen ist, ist der Fakt, daß obwohl der Akku sich selbst heizt, mit fortgeschrittener Durchkühlung die weitere Abkühlung immer schneller fortschreitet. Dies ist bei größerer Flugentfernung zu berücksichtigen, da es passieren kann, das die Rückkehr zum Homepoint bei plötzlichem Gegenwind nicht mehr gesichert ist. Daher habe ich bereits bei 25% Akkuleistung (meist nach 10 Minuten bei -20 Grad erreicht) oft unter Adrenalinausschüttungen den Rückflug angetreten. Die Landung erfolgte dann oft nur noch mit 2-5% Restakku aber grandiosen Aufnahmen. 

Eine ganz besondere Herausforderung war der Tiefflug über die Klippen hinaus ins Nordmeer, was ich nur dem Piloten raten kann, der auch den Totalverlust seiner Drohne in Kauf nehmen kann/will. Denn die Mischung aus Kälte (wobei es an der Küste nur um die -5 bis -7 Grad hatte) Salzluft und Wasserpartikel aus der Brandung sowie elektromagnetische Störungen durch den Sonnenwind hatte mehrfach zu Verbindungs-abbrüchen geführt. Die MAVIC Pro ist aber jedes Mal zuverlässig zum gesetzten Homepoint zurück gekehrt und lies sich noch kontrolliert landen. 
Aber durch die geomagnetischen Störungen, die häufiger und stärker auftreten, je weiter Ihr euch den Polen nähert, hätte das auch schief gehen können, da das GPS gestört wird. Also Fliegen auf eigene Gefahr! 

Start und Landeplatz. 
Gerade in Norwegen und Finnland (in Schweden herrscht Flugverbot) ist der Schnee sehr trocken und wirbelt leicht auf um sich dann auf der Kameralinse nieder zu schlagen. Zudem scheinen die Sensoren bei der Landung durch den Schnee irritiert zu sein. Daher habe ich meist nur 2 Methoden zum Start oder Landung genutzt: 
a) auf einer dunklen Isomatte am Boden 
b) Start und Landung von und auf der Motorhaube meines Autos. 
Jedoch muss dann manuell gelandet werden da die Stahlmasse  meines Autos logischerweise das GPS negativ beeinflussen kann. Aber die Drohne schwebte bei der Rückkehr meist punktgenau 1 m über der Motorhaube und musste nur noch manuell gelandet werden. 

Kleidung: 
Neben den Batterien ist das warmhalten des eigenen Körpers eine wesentliche Angelegenheit. Bei -26 Grad und starkem Wind werden die Füße sehr schnell kalt, wenn man die falschen Schuhe an hat. Ein viel größeres Problem allerdings sind die richtigen Handschuhe. Sowohl der Touchscreen des Smartphones als auch die Steuerhebel und Tasten müssen zuverlässig und mit der nötigen Sensibilität bedient werden können. Handschuhe mit freien Fingerkuppen sind eine Notlösung aber bei extremer Kälte nur kurz nutzbar. Spätestens an 5 min fallen einem die ersten Finger ab. Fahrradhandschuhe mit „Smartphonefinger“ sind in der Übergangszeit ok aber auch nicht bei sehr geringen Temperaturen. Meine Lösung waren taktische Einsatzhandschuhe oder Jagdhandschuhe, bzw. Liner, die modular aufgebaut sind. 
Zusätzlich empfehle ein Umhängeband um die Fernbedienung nicht ablegen zu müssen, denn bei den extremen Temperaturen hatte manchmal der Touchscreen nur noch auf bloße Finger reagiert. Die Fingerkälte war für mich das größte Problem da auch die Steuersensibilität eingeschränkt wird. 

Akklimatisierung
Auch ist es sinnvoll der Drohne beim entnehmen aus dem warmen Auto etwas Zeit zum akklimatisieren zu geben. Da ich auf der geöffneten Heckklappe alle Vorbereitungen durchgeführt habe, war das automatisch gegeben. Ein Beschlagen von der Linse konnte ich so nie feststellen. Sobald sich die Drohne akklimatisiert hat und die Drohne eingeschaltet ist, empfiehlt es sich, die Drohne ein paar Sekunden lang über dem Abflugbereich zu schweben um sicherzustellen, dass die Batterie-spannung weiterhin auf einem sicheren Niveau bleibt. 
Ebenso hatte es sich bewährt an jedem neuen Standort nach dem setzen des Homepoints ca. 20-30m weg zu fliegen und den Rückkehrmodus zu testen. 

Ich bin, wie Ihr an den Fotos und Videos sehen könnt unter sehr extremen Bedingungen „fast“ problemlos geflogen. Bei -26 Grad, bei Nebel, über offenes Meer mit Brandung und starkem Wind. 
Einzig in der Kombination -26 und Nebel waren nach ca. 6-8 Minuten die Rotoren vereist. Die App meldete ein Motorenproblem das ich ignorierte und meinte, nur noch eine kleine Runde…. Fataler Fehler. Die Drohne ließ sich nur noch schwer steuern und ist dann bei der Landung abgestürzt. Glücklicherweise abgepuffert durch den Schnee mit geringsten Schäden. 
Also hört auf Eure Drohne und gebt Ihr im Winter etwas mehr Sicherheit als sonst. Denn hätte ich sie bei 2m tiefem Schnee auf dem Hardangervidda verloren, wäre sie bis zur Schneeschmelze im nächsten Mai an der Absturzstelle konserviert geblieben. 

Atlantikstraße, Norwegen
Fazit: 
Die DJI Mavic Pro kann weit mehr als ich vermutet hatte und wie es von Vielen beschrieben wird. Aber lasst Ihr gute Sicherheitsreserven die sie in vielen Situationen im Winter manchmal benötigt. Gerade auch auf den Hochebenen Norwegens ändern sich die Wetterverhältnisse innerhalb weniger Minuten. Und nur 500m gegen plötzlich auftretenden Gegenwind mit 10% Akkuladung fliegen zu müssen, sorgt für einen gesteigerten Blutdruck. 

Viel Spaß beim Fliegen im Winter. 

Informationen über fliegen mit der Drohne in Norwegen: 
Da in Norwegen Drohnen, die zur Freizeitbeschäftigung geflogen werden als Modellflugzeuge klassifiziert werden, ist es dort recht einfach zu handhaben. 
Auf der Webseite der Luftfahrtbehörde ist eine Bebilderung zu finden die jeder verstehen kann.  
•Maximale Flughöhe: 120 Meter 
•Maximale horizontale Entfernung: immer innerhalb der Sichtweite 
•Versicherungspflicht: Keine, jedoch immer ratsam eine Police zu haben 
•Maximales Abfluggewicht: Für private Drohnen: keine Begrenzung 
•Abstand zu Flughäfen: mindestens 5 Kilometer 
•Andere Sicherheitsabstände: 150m zu Personen, Gebäuden, Militäranlagen und allen Arten von Verkehr 
•Betriebszeiten: Bei Nacht nur unter Aufsicht eines Modellsport-Clubs. 
Bestimmungen anderer Länder findet Ihr HIER: www.my-road.de

Hier findet Ihr weitere Fotos und Videos von meinen Einsätzen.



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